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EveryYou – Das Ende der Zielgruppen

14-49 – diese Zielgruppe – diese Erfindung des ehemaligen RTL-Geschäftsführers, Dr. Helmut Thoma, hat lange Jahre Programme und Produkte und damit letztendlich uns alle beeinflußt, möglicherweise sogar gequält (mich auf jeden Fall). Selbst die Entlarvung als „Erfindung“ hat daran noch nicht wirklich etwas geändert.

Nun kommt aus aus dem „neuen?“ Medium Internet ein höchst spannender Ansatz. Der war wohl schon lange gedacht, nur bislang technisch und logistisch nicht verwirklichbar. C.G. Jung und F. Nietzsche beschrieben das Konzept der „Individuation“. Jeder Menschen trägt den Wunsch, mehr noch, das tiefe Bedürfnis in sich, sich als eindeutiges und unverwechselbares Indiviuum zu verwirklichen – und das wird nun von der Wirtschaft, von Marketingleuten ernst genommen – was für ein Fortschritt!

Natürlich haben Marketingleute in der Vergangenheit Zielgruppen ausdifferenziert, blieben letztlich jedoch immer in der „Gruppe“ und damit im Unpräzisen. Aber jetzt vorgestellt: Ich würde von der (Werbe)Wirtschaft nicht mehr als Dummy im „Wie auch immer definiert Cluster“ der Glockenkurve wahrgenommen. Nicht mehr als „Dinki“ (Double-Income-No-Kids) oder Yuppi oder DDD (Double-Daughter-Daddy), sondern als EveryYou wahrgenommen. Es geht um meine besondere Bedürfnisse, meine unverwechselbaren Vorlieben, meine persönlichen Wünsche und eine Industrie, die sich bemüht mich glücklich zu machen. Wow.

EveryYou Hermann Hohenberger unterwegs...

Zur Begrifflichkeit: Individuation bezeichnet den Prozess in dem Menschen sich als unterschiedliche Wesen verwirklichen. Und die Unterstützung dieses Prozess halten die Wissenschaftler P. Hancock, G. Hancock and J. Warm im Kern nun für möglich:

„Individuation: the N = 1 revolution“
„a continuing increase in computational power and associated memory storage capacities will lead to circumstances in which each and every single person can be coded as, and treated as, a separate individual and therefore not necessarily as a representative part of any group, sample or population“(„Theoretical Issues in Ergonomics Science“, Sep2009, Vol. 10 Issue 5)

Durch die kontinuierliche Steigerung von Bandbreite, Speicherplatz und Rechnerkapazität wird es möglich werden jeden einzelnen Menschen in seiner Individualität zu beschreiben (codieren). Die neuen Formen von Web 2.0 unterstützen den Nutzer (Menschen) in seiner Individuation, seiner Selbstdarstellung, seiner Kommunikation und gibt erweiterte Möglichkeiten neue Kontakte zu finden.

Die werbetreibende Wirtschaft und die Medienveranstalter – können nun wissen, wer welche WebSites nutzt, können wissen, was die Nutzer auf den WebSites machen, können den Kontext interpretieren und nun zu der 4. Datendimension (Communites) korrelieren. Und das ergibt den EveryYou. Sehr präzise.

Was bringt es? In der Touristik (Online-Travel) die Möglichkeit dem Nutzer bei der Beantwortung auf die Frage Wo will ich als nächstes hin? helfen.

Hier wird deutlich in welche Richtung das Aufgreifen des Konzepts Individuation weist. Innerhalb von Produkt-  und Markenwelten haben wir durchaus schon eine weitgehende Ausdifferenzierung (Mode, Motorräder, Autos, etc.). Auch bei den Internet Musik und Radioangeboten gibt es individuelle Ausprägungen. Bei aupeo.de setzt man auf Fraunhofer-Technologie. Mustererkennungen innerhalb Musiktitel führen zu Titelvorschlägen. Eine weitere Dimension. Wir stehen vor einer Reihe von tiefgreifenden Revolutionen:

  • Mobile-Web
  • Echtzeit-Web
  • Web on TV
  • Komplexe Datenkorrelationen
  • Mustererkennung

Dies findet statt vor dem Hintergrund des tiefen menschlichen Bedürfnisses ein unverwechselbares Individuum zu sein. Dies passiert vor der Marketingintention passende Produkte und Dienstleistungen anzubieten; getrieben von der Absicht Menschen als unverwechselbare Individuen zu sehen. Was für eine Befreiung! Besser wir gewöhnen uns daran… 😉

Anmerkung: dieser Blogpost basiert auf und zitiert aus dem Artikel von Tim Hughes http://tims-boot.blogspot.com/2009/09/everyyou-using-individuation-in-travel.html . Besten Dank an Jakob Riegger, Geschäftsführer von TrustYou.com der mich auf das Konzept aufmerksam gemacht hat.

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