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Angst (beim Lesen) mit Robert Harris und Big Data

Wer lesen kann ist klar im Vorteil – eine Binsenwahrheit – könnte aus Oberfranken stammen 🙂 aber egal. Ich hatte Spaß mit dem Thriller von Robert Harris: Angst. Tolle Geschichte, spannend und auch beängstigend. Es geht um einen genialen Mann der eine Software entwickelt hat, die für seinen Hedgefond Geld macht. Die Software ist als selbstlernendes System angelegt und wird immer schlauer und agiert selbstständig. In Sekundenbruchteilen entscheidet das System welche Aktie gekauft oder verkauft wird, wo die Firma einsteigt, etc.. Und dann passieren plötzlich merkwürdige Dinge. Der Protagonist erhält ein seltenes Buch geschenkt – und stellt fest, dass er es offenbar selbst bestellt hat – er erinnert sich nicht daran. Es wird in seinem Haus eingebrochen und er bemerkt, dass er den Einbrecher offenbar selbst ermutigt hat, und dann nimmt das Drama seinen Lauf. Ein spannender Plot in einer sehr komplexen Umgebung: der Finanzwelt, der fin(an)steren Seite der Macht.

Während der Lektüre wird man automatisch mit der Problematik der entfesselten Märkte und den Auswirkungen der fortschreitenden Datenerhebung konfrontiert. Big Data nimmt immer mehr Einfluss auf unser Dasein (ob wir wollen oder nicht), und das ist neben der Story von Robert Harris auch Angst einflößend. Vielleicht ist der Thriller deswegen so beeindruckend und fesselnd. Das Spiel mit der Angst – als Beobachter der Story – aber auch die Assoziation zu der Finanz- und Datenwelt macht dieses Buch zum Leseerlebnis. A good read.

Ich überlege dauernd, wie mit Big-Data, Smart-Data, Google, Facebook, Apple, NSA, etc. umgegangen werden kann oder soll. Nach meiner Einschätzung sind durch die technischen Möglichkeiten (alles was geht wird auch gemacht) ganz neue Handlungsmöglichkeiten entstanden, die wir in der Tragweite noch gar nicht richtig erfassen, geschweige denn reguliert haben.

Keine Sorge, man muss nicht alles gleich wieder regulieren, aber alles kann zum Guten oder zum Schlechten verwendet werden. Wobei auch Gut und Schlecht in dem Zusammenhang erst bewertet werden will.

Aber: sei es durch Gesetze oder durch selbstschützendes Verhalten – wir müssen mit dieser Entwicklung gut umgehen. Als Erstes brauchen wir aber Transparenz. Und das hat Timothy Leary (zitiert aus Robert A. Wilson: Der neue Prometheus) sehr gut formuliert.

“Er* sagt: Wenn du nichts getan hast, brauchst du auch keine Angst zu haben, abgehört zu werden. Richtig. Aber diese Logik gilt doch wohl auch umgekehrt. Dann sollten nämlich auch die FBI-Akten und CIA-Dossiers un die Gespräche im Weissen Haus für alle zugänglich sein. Macht alles öffentlich. Macht die Regierungen durchsichtig wie Glas. Die letzten, aber wirklich die allerletzten, die irgend etwas zu verbergen haben, sollten doch wohl Polizei und Regierung sein.” (Der neue Prometheus, Robert A. Wilson, Seite 248)

Das ist doch ein Ansatz. Robert Wilson hat ihn 1983 aufgegriffen (?!), Leary weit früher gesagt. Ich werde mich dafür einsetzen, und Sie?

* gemeint ist der “rechte Flügel”, aber auch führende Vertreter großer Internet-Konzerne wie Google und Facebook.

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