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Wer bau’et an der Strasse’n soll die Leute reden lassen

Von Zeit zu Zeit kommt mir dieser Satz in den Sinn. Selmar Wild, Baumeister in Schwarzbenbach/Saale hat ihn 1915 an sein neues Projekt (mein Elternhaus) geschrieben.

Wer bauet an der Strassn - soll die Leute reden lassen

Sinnspruch am Cafe Rheingold in Schwarzenbach/Saale

Er wird gewusst haben warum: damals war dieses Eckhaus am Stadtrand. Viel zu groß für Schwarzenbach – damals – und es fällt leicht sich vorzustellen, wie die Menschen damals reagiert – und sich das Maul zerrissen – haben.

Mir gefällt seine Art mit der unvermeidlichen Kritik am Neuen umzugehen. Am Objekt selbst, dort wo sich die Fantasie der Betrachter entzündete zwang er seine Kritiker „nach oben“ zu schauen und er hielt ihnen den Spiegel vor. Offene Münder und nicht sehr schöne Gesichter blickten ihnen entgegen. Heute wirkt das fast wie eine Marketingaktion. Selbstbewusst im Gespräch bleiben. Ich würde was drum geben, wenn der alte Baumeister heute noch leben würde. Seine Facebook-Kommentare wären bestimmt gut gewürzt.

In einer Zeit, in der immer schneller immer mehr Säue durch’s Dorf getrieben werden ist das vielleicht ein guter Rat. Macht euch nicht verrückt. Baut lieber was und lasst die Leute reden, posten, chatten, bewerten. Auch wenn die Qualität der Redebeiträge bescheiden ist. Es ist nicht zu verhindern. Deshalb: baut groß und mutig an der Strasse’n, lasst die Leute reden und nutzt euer Werk als Plakatfläche.

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