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Radio: take a walk on the bright side…

John Salesman ist traurig!John Salesman ist traurig. Er tummelt sich in den Radio-Internetforen und Blogs und was liest er: Radio sei in der Krise… also nicht nur in der normalen Krise, sondern auch in sich selbst in der Krise.

Dan O`Day, Radioberater und Spotproduzent macht gar den Rundumschlag per Videobotschaft (Fürmetz-Blog) und jammert davon, dass sich die Welt verändert habe und Menschen jetzt Zugang zu Musik, Nachrichten und Sport auch ohne Radio haben können. Er fordert, dass Radio „relevanter“ werden müsse! (Ächz!) Und Kollege Fürmetz verbreitet das via Blog und stellt dem Dan O’Day einen Freibrief aus: “ Er darf das, sein Engagement für die Gattung Radio ist über jeden Zweifel erhaben – umso ernster sollten wir alle in der Radiobranche seine Äußerungen nehmen.“ (Ach Gottle. Ich sorge mich ums Heimatland.)

Alexander Zeitelhack twittert: „Das heisst aber auch, dass die Zeitungen eine Zukunft haben. Aber Radio?“ (Aber wie? Oder was! Aber Radio? Aber Radio? Aber Hallo!)

Es gibt noch ein paar andere Untergangspropheten, die I-Ging-fundiert und selbsterfahrungslegitimiert den eigenen Stuhl untersuchen und zum Ergebnis kommen: es stinkt. Aber mal Zynismus und Ärger beiseite:

Am 15.04.2009 stellt Nielsen Media fest: Zeitungen und Radiosender als Krisengewinner. (DWLD.de) Nielsen Media hat nach dem ersten Quartal die Zeitungs- und Radiobranche als Krisengewinnler im Werbemarkt ausgemacht. Profitiert haben sie vom Boom der Abverkaufswerbung. Verlierer sind die Zeitschriften. (DWLD.de) (…relevanter werden? Noch relevanter?)

Ich finde, Radio ist ein tolles Medium und Radioleute sind superkreative Medienmacher. Dass mit dem Internet ein neues Medium auf diesem Planeten eingeschlagen ist: mei, daran ist nichts zu ändern. Aber Radio hat immer Zeitströmungen kreativ integriert und das ist jetzt auch schon so und das wird auch so weiter gehen:

  • Während der Recherchen für die Ideen-Datenbank von www.broadcast-future.de haben wir zwischenzeitlich über 2.000 (?!) Ideen für Promotions gesammelt. Nur aus dem Deutsch- und Englischsprachigen Raum. Höchst zeitgemäß.
  • Radio gedeiht sogar unter medienpolitisch schwierigsten Bedingungen… (davon können wir alle Balladen singen).
  • Die meisten Radiogesellschafter haben eigene Internetprojekte und Inkubatoren und sind vorbildlich aktiv bei der Weiterentwicklung des Internets. Und: alle arbeiten wie die Verrückten an tragfähigen Geschäftsmodellen und wünschten sie fänden so tragfähige Modelle wie Radio.
  • Viele Sender und Organisationen kümmern sich effektiv und innovativ um Internet als Verlängerung des Auftrags „Information und Unterhaltung“. Jumpradio: Community + Party + Interaktion zwischen Internet und Sendung: hörenswert.
    Jam FM in Berlin nutzt Internet um „Freunde“ zum Sender zu bringen (bring a friend, E-Mail-Aktion). Oder der Zeckenmelder (auf google-Karte, kein Witz) von RPR1, u.v.a.m.
  • Einige Aktivitäten gehen noch weiter: www.radio.de als Aggregator und www.90elf.de als Special-Interest-Programm über alle möglichen Wege: Internet, Handy, Digitalradio, etc..

Aber denken wir auch an dieses Bild. Meine allerbeste Ehefrau Margit ist Keramikkünstlerin und wenn Sie in Ihrer Werkstatt Bayern3 oder Jump aufdreht (alle Bekehrungsversuche zu Privat sind bislang gescheitert, also lieber Bayern3 als…) und lauter macht wenn ein Song kommt, der neu ist, gefällt, oder an … erinnert. Oder wenn ein Lachen über den Erwin Pelzig tönt, dann frage ich mich, am PC sitzend: kriegt das Internet diese Qualität hin? Nebenbei und doch so nah?!

Oder den hier: schaut‘ euch mal die Klickraten der Werbemittel (Banner, Popup, Popunder, etc.) an. Es ist doch erbärmlich wie viele Werbemittel man rausblasen muss um im Internet ein bischen Relevanz und Wirkung zu erzeugen.

Radio ist klasse!Folks: take a walk on the bright side. Radio ist klasse. Radiomacher sind kreativ und innovativ. Die Welt hat sich weiter gedreht – no doubt. Radiomacher werden drauf reagieren. Kompetitiv und kreativ.  Und ich freue mich auf die jungen Leute, die jetzt im Radio anfangen. Mit deren Internetbackground gekoppelt mit der Erfahrung der Szene werden wir noch tolle Radioprogramme- und Performances bekommen. Wir werden es hören, möglicherweise auch sehen oder im Telefon klingeln hören.

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