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Lifehacking, GTD, 43Folder und anderer Quatsch!

…als ob das die Lösung wäre. Es prasselt doch immer mehr auf uns herein. Wir machen das arbeitstechnische Wettrüsten mit und führen ToDo’s, Termine, Listen, Selfchecks und den ganzen Kram. Arbeitsoverkill! Und dann sind wir angehypt, wenn das Ding einen neuen Namen hat und via Internet aus Amerika zu uns schwappt. GTD, Getting Things Done. Jipppehhh.

Dabei ist das alter Wein in neuen Schläuchen. Schon Gustav Großmann beschrieb detailliert 1927 in seinem Werk „Sich selbst rationalisieren“ ein System zur Selbstverwirklichung und Leistungssteigerung . HelfRecht hievte das in unsere Zeit und eine Reihe von „Timesystems“ und anderer Zeitplanbücher waren in den 90igern en vogue. Es geht um Effizienz, Schnelligkeit, Erfolg. Einfach alles soll zuverlässig abgearbeitet werden (können). Man sagt sogar, dass der Erfinder von „Getting Things Done“ seine Grabsteininschrift schon gewählt hat. Kurz und bündig: „Done!“

Doch mal Hand auf’s Herz, wem geht es denn als „Lifehacker“ wirklich besser? Vorsicht Leute: hinter diesen „Selbstverbesserungs-Systemen“ steckt ein „Freiheits-, Glücks-, Erfolgs-, und Reichtumsversprechen“ und die Illusion der „Mach(t)barkeit“. Das ist das Verführerische und auch das Vernebelnde an der Geschichte. Könnte es etwa sogar sein, dass diese Systeme gut dazu geeignet sind die eigentlichen Lebensfragen zu übertünchen. Dieses: Warum? Was soll das alles? Was kommt danach? Wer bin ich?

Wenn Susan Blackmore (Die Macht der Meme) auch nur annähernd Recht hat, und mit zunehmender Lebenserfahrung halte ich das für sehr möglich: „Das Selbst ist nicht der Initiator von Handlungen, es hat kein Bewußtsein und es wägt nicht ab. Die Vorstellung eines inneren Selbst in meinem Körper, das diesen Körper kontrolliert und seiner selbst bewußt ist, trügt.“ Wenn dem so ist, dann wäre es an der Zeit ein bischen freundlicher und entspannter mit sich selbst umzugehen. Vielleicht so?

Don’t feel guilty if you don’t know what you want to do with your life. The most interesting people I know didn’t know at 22 what they wanted to do with their lives. Some of the most interesting 40-year-olds I know still don’t. (THE SUNSCREEN)

John Salesman, gebürtiger Oberfranke hat seine Form des „Lifehackings“ gefunden: „A weng bleed schaua“ am liebsten vor „ämn Seidla Bier und a Boor Broodtwärschdt“. Und wenn es dann wieder gut ist: Kunden anrufen, Termine machen, Umsatz machen – alles andere findet sich dann schon. Für seine Kolleginnen und Kollegen, vielleicht auch für Sie, hat er – so sind Oberfranken –  einen Rat: „Mach dei Zeuch…“

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