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Die verbale Karriere einer Verspätung

Ich bin Zugfahrer, Miteigentümer der Deutschen Bahn (als Bundesbürger ist man das), Kunde der Bahn und leidenschaftlich an Sprache interessiert. Und deshalb ärgert mich der Umgang der Bahnmitarbeiter mit unserer Sprache so sehr. Ein Beispiel: 19.10.2010 Franken-Sachsenexpress 06:31 von Hof nach Nürnberg. Die Ansagen lauteten:

  • In Hof: Wegen Störungen im Betriebsablauf haben wir Verspätung.
  • In Marktredwitz: Wegen einer vorangegangenen Verspätung hat der Zug Verspätung.
  • In Pegnitz: Wegen Mitnahme des Zugteils aus Hof beträgt die Verspätung 5 Minuten – wir bitten dies zu entschuldigen.
  • In Nürnberg: Wegen hoher Streckenauslastung haben wir Verspätung.

Ich bin sicher, dass das System hat – obwohl es dazu viel zu gut funktioniert. Ob es eine Sprachregelung gibt oder ob die Zugbegleiter sich das ausdenken, oder ob das Meme sind, die sich da selbstständig machen? Wirklich Sorge bereitet mir die Diskussion um Stuttgart 21.

Denn wer in seinem Unternehmen (Die Bahn) einen solchen Sprachgebrauch duldet, der kann doch nicht glaubwürdig sein. Dieser Sprachgebrauch ist darauf ausgerichtet die Defizite (Baustellen, Langsamfahrstrecken, organisatorische Pannen, schlecht ausgebildete Mitarbeiter, Güterzüge durchschleifen, etc..) zu verschleiern.

Warum soll man diesem Unternehmen eine Planung wie Stuttgart 21 abnehmen.

6 Kommentare

  1. Ein weiteres, häufig genutztes Beispiel: 'Verzögerung im Betriebsablauf wegen verspäteter Bereitstellung des Zuges'. Was sagt uns diese Meldung?

    Die beste Mitteilung bisher aber war eine Verspätung wegen 'erhöhtem Fahrgastaufkommen'. Die Kunden sind also selbst schuld.

    Man erahnt die Statements der Bahn, wenn der Bahnhof S21 am Ende doch ein Vielfaches von dem kosten wird, als bisher kalkuliert wurde. Der Steuerzahler wird es tragen.

  2. Sehr mysteriös ist ja auch die "Triebkopfstörung", mit der die Bahn quasi jede Verspätung zwischen 9 und 90 min rechtfertigt.

    Die weitaus am wenigsten passende Entschuldigung war, für mich, neulich das "Auffahren auf ein Stauende" – dachte eigentlich, dass es das auf der Schiene eher nicht gibt …

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